Schachmomente mit Erinnerungswerten eingefangen
Was nirgendwo so analysiert wurde
Mitte der Nullerjahre durchdrang das deutsche Schach eine laue Aufbruchstimmung. Die Trierer Schulschachstudie von 2007 traf genau den Zeitgeist, aber beim Deutschen Schachbuch waren die Visionen vor der dritten deutschen Schach-Olympiade gewaltig (z.B. 2008 neue Trainer und ebenso viele Schiedsrichter). Nun ja, beim Ehrenamt ist man ja nicht so ganz in der Pflicht. Da war die Gründung eines kleinen Schachbuchverlages 2009 schon eher eine Randerscheinung – schön zu haben, aber nicht zum Überleben notwendig. Also eher eine Liebhaber-Aktivität, wie sie einem passionierten Buchsammler zuzutrauen ist – zumal bereits vorgeprägt.
Anno 2000 ergab sich aus den Reihen des Presseteams der Frankfurt Chess Classics, des seinerzeit weltweit bekannten Schnellschach-Events, welches später nach Mainz übersiedelte, die Idee, im Trio mit Hans-Walter Schmitt (als Organisator) und Hartmut Metz (dem Pressechef) ein Buchprojekt anlässlich des Turniers von 2000 herauszugeben. Es war der Wunsch, die Tage zu verewigen, an denen in der Main-Metropole erstmals in der Schachgeschichte die gesamte Top-Ten-Riege der Weltrangliste mitspielte. Als Kommentator war die Schach-Legende Artur Jussupow dabei und alle Spitzenspieler hatten in ihren Verträgen den Passus, Analysen abzuliefern. Letztlich war ich nicht nur als Autor befasst, sondern besorgte aufgrund damaliger beruflicher Verbindungen nach Tschechien die Drucklegung in Prag und arbeitete mit dem Layouter und Illustrator Frank Stiefel in etlichen Berliner Treffen an der Erstellung zusammen.
So ein Monster-Event erneut auf Papier zu bannen, war anlässlich der Dresdner Schach-Olympiade 2008 nochmals eine Versuchung – nur dann auf Englisch und mit einem internationalen Team, d.h. dem FM und Sportjournalisten Josip Asik aus Belgrad und der Frauen-Großmeisterin Anna Burtasova (damals aus dem russischen Wladimir, heute im kanadischen Toronto). Wer, was und wie es sonst noch weiterging und wie ein deutsches Werk mit der Trainer-Legende Heinz Rätsch aus Gotha zustande kam, wird in Rück- und Ausblicken in dieser Rubrik berichtet.