Wenn der offizielle Schachtitel in Sicht kommt
Den letzten Schliff für erfolgreiche Turnierpraxis legen
Gelangt ein Spieler über die Wertungsmarke von DWZ 2000 (entspricht chess.com-Wertung von ca. 2300), dann müssen verschiedene Phasen der Spielführung konsequent sein, d.h. Stellungsbewertung, Planfindung, Rechentiefe, Endspielfundamente, Standardopfer-Kombinationen, Eröffnungs-Spezialvarianten etc. Hinzu tritt der Umstand, dass diese Spieler schneller, exakter und systematischer analysieren und auf Nachfragen von Mitspielern oder Trainer eine präzise Antwort in petto haben. In Konsequenz werden diese Spieler sich mit komplexeren Schachthemen befassen, z.B. verpflichtenden Aktionen wie richtige Abtäusche in Mittel- und Endspiel, Perspektiven von „Radikallösungen“ wie Rettung von schlechteren Stellungen oder Aussichten von Mehrfachopfern. Das konkrete wie das intuitive Begreifen von Stellungen wird Alltag und dieser Spieler, der mehr wie ungefähr Zweidrittel der Punkte zu seinen Gunsten erzielen will, muss besser urteilen können, wann welches Denken erforderlich ist.
Mit diesem Anspruch verändern sich die Anforderungen an das Trainingsmaterial (wie in der Anfangszeit des Schachlernen größere Mengen, aber mit signifikant intensiverem Intervalltraining und komplexeren, weniger eindeutigen Stellungen). Zudem werden der Einfluss von Engines auf das Ausloten von Analysealternativen deutlich ansteigen und somit ergibt sich die Notwendigkeit, besser die Denkweisen von Engines (und seit einigen Jahren auch K.I.) zu verstehen. Spieler auf dieser Stufe scannen zudem regelmäßig das Internet, Schachzeitschriften und sonstige Periodika mit „rasender Neugier“.
Auch wenn die Mehrzahl der Publikationen für dieses Leistungsspektrum geeignet ist, lassen sich i.d.R. auch ausreichend „machbare“ Inhalte für niedrigere Spielstärken identifizieren, so dass hier ggf. ein Augenmerk der Rezension gelegt wird. Zudem finden sich in dieser Rubrik etliche anspruchsvolle Werke, die von allen Spielern jenseits des Anfängerniveaus, also ab ca. DWZ 1500 zur Kenntnis genommen werden sollten (z.B. von Jonathan Rowson, Willy Hendriks und viele biografische Partiesammlungen oder fortlaufende Einblicke in aktuelles Turniergeschehen, wie es der Informator seit 2014 in neuem Zuschnitt vornimmt). Für diese Veröffentlichungen braucht es umfassendes Interesse und Geduld, also keine Online-Schnellschüsse beim Analyseradar.
Die Bewertungsskala für Werke dieser Rubrik hat fünf Kategorien (siehe jeweils Tasse als Hintergrundfoto zur Überschrift):
Rote Tasse = Man sieht mich errötet nach der Bewußtseins-Erweiterung durch dieses tolle Werk.
Gelbe Tasse = Die Sonne geht auf. Das Werk bringt Schachwissen wohlüberlegt voranzukommen.
Grüne Tasse = Nicht über den grünen Klee loben. Das Werk kann man, muss man nicht haben.
Blaue Tasse = Bitte kühles Wasser! Das Werk ist ärgerlich und ich brauche Abkühlung.
Schwarze Tasse = Ich sehe schwarz. Wer verzapft so ein Werk? Am besten tief vergraben.