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Befunde  zur  Jedermann-Krankheit  der  Schachspieler 

 


Einblicke  zur  Schachblindheit  und  mögliche  Rezepte  dagegen

​​Es scheint, das moderne Schach lässt sich durch stetig „mitdenkende Maschinen“ weit häufiger auf Ungenauigkeiten und Fehler reduzieren. Das Gehirn versucht mit mehr oder weniger Vergnügen sich dem intellektuellen Kampf auf 64 Feldern zu widmen, steht aber dauerhaft im Rampenlicht als „buganfälliges Instrument“. Welcher Online-Kommentator nimmt sich noch die Freiheit allein auf seine Schacherfahrung abzustellen und sich nicht der Gefahr auszusetzen, als „blinder Depp“ dazustehen? Dabei weiß der „ehrliche Spieler“ seit Tartakowers Zeiten, dass der vorletzte Fehler gewinnt. Muss man nicht mit frohem Herzen einem ehemaligen WM-Herausforderer zustimmen: „Ohne Fehler ist Schach uninteressant. Routinepartien können von Computern gespielt werden. Menschliche Fehler erschaffen jedoch ungewöhnliche Situationen, und es ist immer wieder eine Herausforderung, einen Ausweg aus Schwierigkeiten zu finden,“  resümiert David Bronstein in seinen biografischen Rückblicken in „Der Zauberlehrling“ (1995,  S.190). Aber Fehler ist nicht gleich Fehler und aus Fehlern soll(te) man lernen.

​Daher wird man früher oder später zu einem Pionier der Schach-Analyse retro-zoomen: dem  „Praeceptor Germaniae“. Ein zusätzlicher lateinischer Namenstitel kennzeichnete im Kaiserreich bildungsbürgerliche Situiertheit und verleiht der Schach-Legende Siegbert Tarrasch neben der schachpraktischen Reputation als „Turnierweltmeister“ vor der Jahrhundertwende 1900 eine besonderen Deutungsrang als „Lehrmeister der Deutschen“, zumindest beim Denksport. Da er auch praktizierender Arzt war, maß man seinen Ausführungen zur  „Amaurosis Scacchistica“ besondere Kompetenz bei. Er verneinte die Anfang des 20. Jahrhunderts vorherrschende Meinung, Schachblindheit als grobes Übersehen wäre unter Meisterspielern nur ein Zustand der Übermüdung des Gehirns. In seinen Werk „Die moderne Schachpartie“ fügte er der Sammlung von 223 Partien einige Aufsätze anbei und argumentierte: „Ich möchte mich dieser Ansicht nicht völlig anschließen, sondern glaube vielmehr, dass das Wesen der Krankheit in der konzentrischen Einengung des Bewusstseins besteht, ähnlich wie sie, um ein Beispiel aus der Veterinärmedizin anzuführen, der balzende Auerhahn zeigt. In beiden Fällen lässt sich unter dem Einfluss einer hochgradigen Erregung die Konzentration des Bewusstseins auf einen einzigen Punkt die allergewöhnlichste Aufmerksamkeit für alles andere Vergessen.“ (1916, moderne Ausgabe 2003, S. 452-53). Nicht nur die „Schach-Erregungen“ häuften sich im letzten Jahrhundert; manche Deutungen sind – auch mit Ausschwung der Psychologie als Disziplin – hinzugekommen.

​Somit wird in dieser Rubrik auf zahlreiches Material aus allen Zeiten der Turnierarena zugegriffen. Es kann erwartet werden, dass sich über die Jahre ein Fundus sammelt, der eine differenzierte Schau  abbildet und Erklärungen liefert, die im Idealfall mit Handreichungen zur Vermeidung von Schachunfällen einhergehen. Doch zunächst wird gesammelt und im Training gelöst. Wie bei jeder RAST-Rubrik zunächst eine Blog-Beitrag mit Nummer und „A“ im Untertitel, also die Aufgabe und dann nachfolgend eine Beitrag oder mehrere Nachbetrachtungen mit „L“ im Untertitel, mithin die Lösungen.


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