RAST - Mehr Platz für die Reaktivierung der Klassiker
Vier Fundplätze für Denkunabhängigkeit bei der Schachanalyse
Die Schachszene hat sich in der Zeit der Corona-Krise und dem Jahrzehnt davor gravierend verändert. Der verängstigte Blick zur Engine und zur Bewertungsskala macht den menschlichen Spieler einerseits (vielleicht) schlauer, doch andererseits zu einem Denksklaven, der Ideen weniger mit eigener Analyseanstrengung entdeckt. Früher gab es nach Turnierpartien Post-Mortem-Analysen – ein paar Minuten fast immer, manchmal über eine Stunde - und das eigene Schachdenken und das des Gegners durften vagabundieren. Heute stürzt man nach Hause und schaltet seinen Computer an - die flinke Jugend tippt alles sofort in ihre Mobilgeräte und weiß sich dann schlau. Wie viel freigeistiger waren doch die Denkkünstler im 20. Jahrhundert und davor? Wie entwickelt sich ein Spieler in so einem Umfeld von Engine-Obhut?
Mit den hier angebotenen vier Rubriken wird manches Juwel aus verlorenen Zeiten wiederentdeckt und neuen Betrachtungen unterzogen (analog und dann erst mit E-Kraft). In 15 Jahren als Schachlehrer an der Basis und mit Schülern aus allen Leistungsstufen vom Anfänger bis DWZ 2000 wurde ein systematischer Trainingsfundus speziell für diese Gruppen systematisiert und mit Lehrplänen unterlegt. Der Aufbau mit 4.000 Aufgaben für das Schulschach und 8.000 Aufgaben für das Vereinstraining wird nach und nach an anderer Stelle dieser Webseite erläutert. Viele Stellungen aus alten Zeiten sind zig-fach in der Praxis überprüft, sie wurden zu neuen Lektionen zusammengestellt und wo passend mit aktuellen Beispielen ergänzt. Die Mehrzahl der Beispiele stammt aus für die Internet-Schach-Community kaum bekannten Quellen.
Ein Vorbild ist dabei James Robert Fischer, der sein legendäres Schachwissen zum Angriff auf die sowjetische Schachvormachtstellung aus verschiedensten Printquellen des 19. und 20. Jahrhunderts erwarb. Denn was vergessen ist, scheint oftmals neuartig. Als Schachlehrer sollte man vorrangig die Verpflichtung haben, den Schüler mit „renovierter Schach-Meilensteinen“ wieder und wieder auf den Prüfstand einer unabhängigen Stellungsbewertung zu stellen. Hirn allein darf sein! Sicher sollten diese Ergebnisse anschließend mit modernen elektronischen Hilfsmitteln überprüft werden, aber dabei muss erkenntlich sein, was die Eigenleistung war. Diesem Credo folgen Internetberichterstattungen heute leider zu wenig (selbst wenn Großmeister die Engines bedienen). Man sucht nur die Engine-Bewertungen zu deuten, statt Varianten für ein Spiel auf drei Ergebnisse zu finden und zu priorisieren. Auch viele mit umfassenden Engine-Analysen erstellte Bücher fordern die Entwicklungsschritte Bewertung-Plan-Variante-Zug zu wenig ein. Diese unverzichtbare Denktechniken muss der Schachlehrer oder Vereinstrainer nachjustieren.
Die vier Rubriken sollen jedoch genau in diese Ausrichtung zur Eigenarbeit anregen. Sie können auch als Input für Unterricht bzw. Heimarbeit verwendet werden. Die vier Rubriken haben ein mittelfristiges Ziel von 1.000 Aufgaben (bei vier Stellungen pro Woche entspricht das einem Fünfjahresplan). In meinen Unterrichts- und Trainingsstunden werden sie als Ergänzung eingesetzt. Acht Aufgaben einer Lerneinheit umfassen i.d.R. ein, zwei Stellungen, die in RAST mit ergänzenden Informationen abrufbar sind. Jeder Blog-Beitrag hat eine Kennung (im Untertitel): einmal endet die mit einem „A“ für Aufgabe(n) und dann folgt ein Beitrag mit einem „L“ als Kennung für die Lösung (wenn erforderlich können es auch mehrere Lösungs-Beiträge sein.
ReRe-Stellungen
AmS-Stellungen
SoA-Stellungen
TaS-Stellungen
Harald Fietz
In 50 Jahren sammelte sich eine „tiefe“ Schachbibliothek. Nun ist die Zeit reif, im Internet zu zeigen, was es in Print an Schachwissen zu plündern gibt. Das gilt in vorrangig für Bücher und Zeitschriften (auch mit Fokus auf weniger bekannte Publikationen der sowjetischen Schachära). Alle vier Rubriken bieten Partien und Stellungen, die in dieser Art sowohl im Schul- wie im Vereinstraining eingesetzt werden können. Jedes Thema wird mit einem Aufgaben- sowie einem Lösungs-Blogbeitrag dargeboten. Alles Material wird original analysiert und zusätzliche Fremdanalysen mit Quellen gekennzeichnet.